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ICH DENKE NACH Ich denke nach. Ich habe keine Ahnung. Ich denk oft nach und weiß zum Schluss nicht, was ich machte, was ich dachte, keine Ahnung. Ich spür nur, meine Augen, die sind nass.
(1/98)
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ICH Ich liebe zu viel. Ich gedulde mich nicht. Ich falle in Löcher und schreib ein Gedicht. Ich les lange Briefe und ängstige mich vor Gewitter. Ich glaube, das alles bin ich.
(1998)
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MUTGEDICHT (1/98)
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JANUAR Die Weide hat einen Zopf. Ich kämmte ihr das Haar. Die Sonne schien in mich und das im Januar.
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WOHIN Diese Sehnsucht ist so still, doch sie ist für mich nicht stillbar. Dieser Wunsch, der mich erfüllt, bleibt mir dennoch unerfüllbar. Heute fall ich, morgen steh ich AUF! Nein, so tief war mir kein Sturz, um nicht tiefer abzustürzen. Doch das Leben ist zu kurz, um es einfach abzukürzen. Nein, ich spring nicht, lieber sing ich LAUT! Doch die Liebe, die ich geb, ist auf keinen Fall vergeblich. Und das Leben heb ich auf, denn es ist nicht unerheblich. Heut nur wein ich, morgen lach ich DOCH! Heute fall ich, morgen steh ich. Wohin geh ich DANN?
(2/98)
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GEFANGEN Ich bin in mir. Niemand kann rein. Ich kann nicht raus. So ganz allein. Ich bin in mir. Niemand will rein. Ich möchte raus. Fang an zu schrein. Ich bin in mir. Ich rufe laut. Die Tür geht auf. Ich flieg hinaus. Bin außer mir. Flieg nur ein Stück. Bin neben mir. Ich will zurück. Zurück in mir. Mit mir zu zwein. Hier bin ich gut. Hier muss ich sein.
(2/98)
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IRGENDWANN I Irgendwann, wann ist denn das? Irgendwann, zu seiner Zeit. Irgendwann meint: heute nicht, morgen nicht, es ist noch weit. Irgendwann heißt: Warte noch, warte ab, gedulde dich. Irgendwann macht es mich stumm und ich frage weiter nicht. Irgendwann wird Nirgendwann, wenn ich ihm nicht mehr glauben kann.
(2/98) |
NACH MITTERNACHT Diese Stunde, die ich liebe, wenn die Welt im Traum versinkt, wenn nur noch der Nachbarn Standuhr dong, dong, dong herüberklingt. Diese Stunde ganz alleine, Stille dehnt sich lang wie breit, und ich denke an so viele, die sind näher dann als weit. Diese Stunde, die ich nehme, Kinder schlafen, du schläfst auch. Diese Stunde, da ich spüre, dass ich mich auch selber brauch.
(2/98)
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KALTER MÄRZMORGEN Die Pfütze knackt beim Laufen, trägt Sternenmustereis und obendrüber tanzen die Kirschbaumblüten – rosaweiß.
(3/98) |
April, April, der weiß nicht, was er will. April, ach ich, verstehe dich... (4/98)
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alles anders zweifeln bis zum verzeifeln. hoffnungslos zu hoffen, dass das endlich ein ende nähme. die sehnsucht nach stille ist längst gestillt und doch bleibt das zu sagende ungesagt. noch immer warten die erwartungen trotz ihrer ungeduld geduldig. doch die ruhe ist unruhig, die liebe unbeliebt. und die angst schreitet mutig voran.
(4/98)
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TELEFONATE und diese netten kleinen pausen, wo beide schweigen, wo der eine dem anderen zeit zum denken gibt und sich die gedanken in der mitte des weges treffen, wo man lernt zu warten und zu vertrauen, dass da jemand ist, auch wenn er schweigt. das sind die pausen, die mehr sagen als alle worte.
(4/98) |
Die Erwartungen müssen WARTEN. UN-ER-HÖRT.
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Gegen die Angst glaubte ich, wissen zu müssen. JETZT weiß ich, dass ich glauben muss.
(6/98)
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ERINNERUNG Da, wo du bist, das große Nichts, kein Brief, kein Wort, seit langer Zeit. Nichts wird, nichts ist. Das alles war. Es war in der Vergangenheit. Ich suche noch in diesem Nichts. Ich hoffe noch. Warum? Warum? Nichts wird, nichts bleibt. Und dieses WAR Ist nun eine Erinnerung.
(7/98)
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GEHEIMER PLAN Die Zäune, die uns einengen, aufrichten und zu Leitern machen, mit denen man die Höhe erreichen kann. Den Abgrund mit den Zäunen, die uns begrenzen, überbrücken und auf die andere Seite gelangen.
(8/98)
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BLEIERNER Tag legt sich auf die Glieder. EISERN versuche ich, ihm standzuhalten.
(8/98)
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Fröhlich sein. FROHLOCKER werden. Locker durch den Alltag gehen.
(8/98)
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IN GEDANKEN Niemand weiß wie das heißt wenn man starrt still verharrt Augen weit aus der Zeit Zustand irr Haare wirr Kopf so voll Denken toll etwas leer und auch schwer beinah leicht unerreicht Fragen viel ohne Ziel schmaler Pfad auf dem Grat. Kipp nicht ab! Mach nicht schlapp! Komm zurück! Was ist Glück?
(10/98)
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ÜBERFALL Sie kommt von hinten und hält dich fest. Sie wird dich besiegen, wenn du sie lässt. Sie trinkt deine Tränen und wächst ein Stück. Sie wummert laut in dir und weicht nicht zurück. Trockne die Tränen und dreh dich um. Sieh ihr in die Augen, das macht sie stumm. Singe ein Lied, denn du allein kannst sie überwinden. Es ist deine Angst.
(10/98)
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ENTTÄUSCHUNG Sie ist ganz klein erst, du merkst sie kaum. Ein gelbes Blatt nur am grünen Baum. Doch sie wächst, es werden alle Blätter fahl und grau. Taumelnd fallen sie zu Boden. Ich steh still und schau. Das Hoffnungsgrün wohin ist es verschwunden? Ich bin auf der Suche. Wer hat es gefunden?
(10/98)
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FREUDENSCHLUCK Ich trinke einen Schluck Freude. Langsam rieselt er in mir hinab bis die Füße zucken und das Herz hopst, die Augen leuchten und mir wärmer wird von Freude durchströmt. Ein Schluck Freude ist klein, wie das Singen der Amsel, das Lächeln des Briefträgers, die Knospe am Weg. Schluck für Schluck wird mir fröhlich und warm.
(11/98)
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Viele verschiedene Menschen. Warten. Worauf? (12/98)
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